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Nikotinsucht

Seht, ich habe was geleistet!

Als Eberhard im Juni 2000 zum Gespräch erschien, wirkte er auf mich optisch wie ein Kleinunternehmer, der es „geschafft“ hat: dunkler Anzug, goldene Armbanduhr, goldener Fingerring, gepflegter Backenbart. Sein Gesamteindruck verriet: „Ich bin Chef.“Dazu passten auch die acht bis zehn Zigarren, von denen er endlich loskommen wollte. Zigarren sind deutlich kostspieliger als Zigaretten und gelten daher (unterbewusst) als Statussymbol.

Als Inhaber einer Wäscherei war Eberhard sehr erfolgreich und stand nun kurz vor dem Ruhestand. Er genoss einen gewissen Wohlstand, den er sich mit „eigener Hände Arbeit“ geschaffen hatte. Doch das war nicht immer so:

Als Ältester von vier Kindern hatte Eberhard während sei- ner Kindheit in den Kriegsjahren nicht viel zu lachen. Sein Vater war als Soldat im Krieg. Die Mutter war mit den Kindern allein, und so lastete auf dem ältesten Sohn schon früh eine große Verantwortung für seine Familie.

Eberhards Kindheit bestand aus Armut und Entbehrung, gepaart mit harter Arbeit und viel zu hohem Verantwortungsdruck.

Dass diese Zeiten endgültig vorbei waren, bewies sich Eberhard mehrfach täglich unterbewusst mit seinen Zigarren. Nachdem wir diese Zusammenhänge in der Beratung aufgedeckt hatten, erkannte Eberhard endlich, weshalb er rauchte – und was er sich davon versprach.

Nach etwa acht Wochen erhielt ich von ihm einen Anruf, in dem er mir erzählte, dass er – statt täglich Zigarren zu konsumieren – nur noch hin und wieder an einem schönen Nachmittag einen Zigarillo „paffte“. Auf dieses Relikt wollte er nicht verzichten, zumal er ansonsten kerngesund war. Eben! Man muss nicht zwingend abstinent sein, wenn man sich wirklich vom Rauchen befreit hat.